In den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel, die Gefässe werden steifer, der Blutdruck steigt und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nimmt zu. Mit Wissen, Prävention und regelmässigen Kontrollen können Frauen ihr Herz gezielt schützen.
Das Wichtigste in Kürze
- Warum das Risiko steigt: Wenn das Östrogen sinkt, werden die Gefässe steifer. Blutdruck und Arterienverkalkung nehmen leichter zu, und der Stoffwechsel gerät eher Richtung Insulinresistenz.
- Warnzeichen ernst nehmen: Luftnot, Herzstolpern, Druck in der Brust, Schwindel oder ungewohnte Müdigkeit, auch Oberbauch-, Rücken-, Nacken- oder Kieferschmerzen können vom Herzen kommen.
- Was hilft: Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin regelmässig kontrollieren. Etwa 150 Minuten Ausdauertraining pro Woche und zweimal pro Woche Krafttraining. Mediterran essen, nicht rauchen, Stress reduzieren, gut schlafen und Bauchfett abbauen.
- Hormonersatztherapie: Kein primärer Herzschutz, kann aber bei starken Wechseljahresbeschwerden nach ärztlicher Abwägung sinnvoll sein. Dann gilt: möglichst früh beginnen, niedrig dosieren und nur so kurz wie nötig anwenden.
Warum das Herz in den Wechseljahren mehr Aufmerksamkeit braucht
Mit Beginn der Menopause verändert sich der Hormonhaushalt, und das betrifft auch das Herz. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt durch den Rückgang von Östrogen. Östrogen hält die Gefässe elastisch, reguliert Blutfette und schützt vor Ablagerungen in den Arterien.
„Wenn der Hormonspiegel sinkt, werden die Gefässe steifer und der Blutdruck steigt. Hinzu kommen Stoffwechselveränderungen, Schlafstörungen und Stress, alles Faktoren, die Herz und Kreislauf zusätzlich belasten», erklärt PD Dr. med. Caroline Kleinecke, Kardiologin am DTH Herzzentrum Zürich.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache bei Frauen in der Schweiz. Laut der Schweizerischen Herzstiftung sterben mehr Frauen an Herzkrankheiten als an Brustkrebs.
Wie das sinkende Östrogen auf Herz und Blutdruck wirkt
Östrogen ist ein natürlicher Gefässschutz. Es:
- fördert die Bildung von Stickstoffmonoxid (NO), das Gefässe entspannt,
- hemmt Entzündungsprozesse,
- bremst das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS), das den Blutdruck und den Salz- und Wasserhaushalt kontrolliert.
Sinkt der Spiegel, verengen sich Gefässe leichter und die Arterien verhärten. Dadurch steigt das Risiko für Bluthochdruck, Arteriosklerose und Herzinfarkt.
Typische Herzsymptome bei Frauen
Frauen erleben Herzbeschwerden häufig anders als Männer. Bei Frauen äussern sich Herzinfarkte oft diffus, etwa durch Luftnot, Oberbauchschmerzen oder extreme Müdigkeit. Weitere Warnzeichen:
- Herzstolpern oder Druck auf der Brust
- Schwindel, Schwäche oder Wassereinlagerungen
- Rückenschmerzen, Übelkeit oder Nackenschmerzen
Auch unspezifische Symptome ernst nehmen und ärztlich abklären lassen.
Risikofaktoren ab 50 Jahren im Blick behalten
- Bluthochdruck
- Erhöhte Blutfette (LDL-Cholesterin, Lp(a))
- Übergewicht, vor allem Bauchfett
- Diabetes
- Bewegungsmangel und Stress
„Früherkennung lohnt sich, viele dieser Risiken lassen sich durch Lebensstil und Behandlung gut kontrollieren», betont PD Dr. Kleinecke.
Ernährung und Bewegung: Das doppelte Schutzschild fürs Herz
Eine mediterrane Ernährung wirkt entzündungshemmend, verbessert den Fettstoffwechsel und schützt die Gefässe: viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Fisch, Olivenöl und Nüsse. Verzicht auf Zucker, Weissmehlprodukte und stark verarbeitete Lebensmittel.
Bewegung stärkt Herz und Kreislauf, verbessert die Insulinempfindlichkeit, senkt Stresshormone und fördert Schlaf und Stimmung. Von Bewegung profitieren Frauen in den Wechseljahren besonders, sogar stärker als gleichaltrige Männer (European Heart Journal, 2024).
Empfehlung:
- Mindestens 150 Minuten Ausdauer pro Woche (zügiges Gehen, Schwimmen, Radfahren)
- Zweimal pro Woche Krafttraining
- Rauchstopp und Stressabbau
- Ausreichend Schlaf und Gewichtsmanagement
Hormonersatztherapie, Chancen und Grenzen
Eine Hormonersatztherapie (HRT) kann Wechseljahresbeschwerden lindern, wird aber nicht primär zur Herzprävention empfohlen. Wenn sie früh, kurz und niedrig dosiert eingesetzt wird, gilt sie bei herzgesunden Frauen als sicher. Ob HRT langfristig auch das Herz schützt, wird derzeit noch erforscht.
Lp(a), der versteckte Risikofaktor in den Wechseljahren
Ein besonders relevanter und oft übersehener Risikofaktor für Frauen ist Lipoprotein(a). Der Lp(a)-Spiegel kann im Übergang zur Menopause um 10–20 % ansteigen und erstmals klinisch relevante Schwellenwerte erreichen. Eine aktuelle Studie in JAMA Cardiology (2026) mit 27’748 Frauen zeigt: Ab einem Lp(a)-Wert von 30 mg/dl steigt das 30-Jahres-Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall signifikant an.
„Wir empfehlen jeder Frau, ihren Lp(a)-Wert einmal bestimmen zu lassen, idealerweise vor oder in den Wechseljahren», sagt Prof. Dr. med. Steffen Glökler, Leiter des DTH Herzzentrums Zürich. „Dieser einfache Bluttest gibt uns wichtige Informationen für die individuelle Risikobewertung.»
FAQ, Herzgesundheit in den Wechseljahren
Durch den Rückgang von Östrogen verliert das Herz seinen hormonellen Schutz. Blutdruck, Blutfette und Entzündungswerte steigen, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nimmt zu.
Östrogen hält die Gefässe elastisch und reguliert das RAAS (Renin-Angiotensin-Aldosteron-System). Sinkt der Östrogenspiegel, werden die Gefässe steifer und der Blutdruck steigt. Regelmässige Kontrollen und gegebenenfalls eine medikamentöse Behandlung sind dann besonders wichtig.
HRT wird nicht primär zur Herzprävention eingesetzt. Bei herzgesunden Frauen mit starken Wechseljahresbeschwerden kann sie nach ärztlicher Abwägung sinnvoll sein. Dann gilt: früh beginnen, niedrig dosieren, nur so kurz wie nötig anwenden.
Regelmässige Kontrollen (Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker, Lp(a)), mindestens 150 Minuten Ausdauer und zweimal Krafttraining pro Woche, mediterrane Ernährung, nicht rauchen, Stress reduzieren, gut schlafen und bei Beschwerden frühzeitig zum Kardiologen.
Quellen
- Dannenberg LK. Herzgesund durch die Wechseljahre. Herzmedizin.de, 02.02.2026.
- Nordestgaard AT et al. Thirty-Year Risk of CVD Among Healthy Women According to Clinical Thresholds of Lp(a). JAMA Cardiol. 2026.
- European Society of Cardiology (ESC). Guidelines on Cardiovascular Disease Prevention. 2021.
- Schweizerische Herzstiftung. Frau und Herz. 2025.