Herzklappenfehler - Therapie im Wandel

Mitra-Clip Intervention bei Mitralklappeninsuffizienz

Dr. med. Olaf Franzen
Facharzt für Kardiologie und Allg. Innere Medizin

Bei der Behandlung von Herzklappenfehler spielt die Katheter-Methode eine immer grössere Rolle. Die Wahl der besten Methode für den jeweiligen Patienten ist entscheidend. Herzkatheter oder Herzoperation? Die Wahl ist abhängig vom Risiko und vom erwarteten Ergebnis des Verfahrens – und zunehmend auch vom Patientenwunsch.

Was ist ein Herzklappenfehler?

Ein Herzklappenfehler bezeichnet einen angeborenen Fehler oder die erworbene Fehlfunktion einer oder mehrerer Herzklappen. Das Herz besitzt vier Herzklappen, die im Organ als Ventile wirken. Funktionieren sie korrekt, steuern sie den Blutfluss und verhindern den Rückstrom in die falsche Richtung. Im linken Herzen befinden sich die Mitralklappe und die Aortenklappe. Im rechten Herzen sind es die Trikuspidalklappe und die Pulmonalklappe. Häufige Herzklappenfehler wie eine Verengung aufgrund Verkalkung der Aortenklappe (Aortenklappenstenose) oder die Undichtigkeit der Mitralklappe (Mitralklappeninsuffizienz) können heute mittels Katheter behandelt werden.

Darstellung der vier Herzklappen

Erkrankungen der Herzklappen

Erkrankungen der Herzklappen kommen häufig vor, bleiben aber vielfach lange unbemerkt. Je nach Alter und Begleiterkrankung kann die Häufigkeit mehr als 20% betragen. Die meisten Herzklappenfehler sind leicht und bedürfen nur einer regelmässigen Kontrolle. Einige können sich jedoch verschlechtern und bedrohlich werden. Sie führen zu einer Herzschwäche und verkürzen die Lebenserwartung. Typische Symptome von Herzklappenfehlern können Müdigkeit und Atemnot, aber auch Schwindel und kurze Bewusstlosigkeit sein. Eine medikamentöse Therapie kann Symptome lindern. Meist sind jedoch eine rechtzeitige Reparatur oder ein Ersatz der Herzklappe notwendig, um einen bleibenden Schaden des Herzens abzuwenden und eine normale Lebenserwartung zu erhalten. Den richtigen Zeitpunkt zu wählen und die beste Methode für den einzelnen Patienten festzulegen sind sehr wichtig.

Offene Operation oder Katheter basierte Methode?

Bis vor einigen Jahren stand zur interventionellen Behandlung von Herzklappenerkrankungen nur der chirurgische Eingriff am offenen Herzen zur Verfügung. Seit rund 15 Jahren gibt es aber auch Katheter-Verfahren. Dabei werden die Herzklappen über einen Zugang in der Leiste mittels eines Katheters repariert oder ersetzt. Der Vorteil liegt auf der Hand: Anders als beim chirurgischen Eingriff muss der Brustkorb nicht geöffnet und das Herz nicht stillgelegt werden. Der Katheter-Eingriff ist somit schonender und die Erholungszeit meist deutlich kürzer — ein Aspekt, der vor allem bei älteren oder geschwächten Patienten eine erhebliche Rolle spielt. Häufig bleibt der Katheter basierte Eingriff sogar die einzige Möglichkeit, wenn das Risiko eines chirurgischen Eingriffs zu hoch ist. Aufgrund vielversprechender Ergebnisse werden die Katheter-Verfahren aber auch immer häufiger bei Patienten erwogen, die man auch mit mässig erhöhtem Risiko chirurgisch würde behandeln können.

Arte Dokumentation – Das Herz ohne Chirurgie reparieren (15 Minuten)

Die Behandlung einer verengten Aortenklappe

Fast jeder fünfte der über 80-Jährigen hat Probleme mit der Aortenklappe im Herzen. Aufgrund ihres hohen Alters sind Operationen am offenen Herzen oft mit einem zu grossen Risiko verbunden. Beim TAVI-Kathetereingriff wird die Klappe minimal-invasiv mit einer Prothese ersetzt.

Einer der häufigsten Herzfehler ist die Einengung der Auslassklappe des linken Herzens – die sogenannte Aortenklappenstenose. Die Aortenklappe hat sich meist im Laufe des Lebens durch Kalkeinlagerungen verengt. Die Einschätzung des Schweregrades erfolgt heute im Ultraschall oder mittels Herzkatheter. Ist die Aortenklappenstenose schwer und treten Symptome auf, sollte ein Klappenersatz durchgeführt werden. Die Chirurgie erzielt hier sehr gute Ergebnisse. Bei Hochrisikopatienten sollte jedoch das Katheter-Verfahren zum Einsatz kommen. [1] In einigen Ländern wurde schon vor 5 Jahren die Katheter-Methode insgesamt häufiger angewendet als die offene Herzoperation. Es existieren jedoch auch noch Probleme bei Katheter-Verfahren, die es zu berücksichtigen gilt. [2] Denn nicht jeder Patient hat eine geeignete Anatomie dafür. Die Wahrscheinlichkeit, nach dem Eingriff einen Schrittmacher zu benötigen, ist höher als beim chirurgischen Eingriff am offenen Herzen. Die chirurgischen Klappen weisen seltener unerwünschte Klappenundichtigkeiten auf. Die Erfahrung der behandelnden Ärzte und die enge Zusammenarbeit spielen wie die Auswahl der Katheterklappen eine wichtige Rolle für gute Ergebnisse.

Die Undichtigkeit der Mitralklappe

Durch den Einsatz eines MitraClips wird bei einer Insuffizienz der Mitralklappe die undichte Stelle zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer geschlossen. Dr. Olaf Franzen, einer der erfahrenen Spezialisten des Experten-Netzwerks der Herzgefässmedizin Hirslanden Klinik Im Park, setzt bei Insuffizienz vermehrt auf MitraClips. Durch den Verschluss der Mitralklappe wird der Rückfluss des Blutes wieder vollumfänglich gestoppt. Somit verschwinden beim Patienten auch Symptome wie Kurzatmigkeit und Schwindel – der Patient erreicht wieder seine volle Leistungsfähigkeit.

Ein weiterer häufiger Herzfehler ist die Undichtigkeit der Einlassklappe des linken Herzens – die sogenannte Mitralklappeninsuffizienz. Sie kommt je nach Ursache und Alter des Patienten mit einer Häufigkeit von bis zu 40% vor. Standardbehandlung ist eine chirurgische oder medikamentöse Therapie. Seit einigen Jahren steht jedoch auch das Katheter-Verfahren zur Verfügung. Die am meisten angewendete Methode ist die Mitraclip-Therapie. Bei anatomisch geeigneten Patienten lassen sich sehr gute Ergebnisse erzielen. Auch bei weniger geeigneter Anatomie kann die Undichtigkeit der Mitralklappe häufig doch so weit reduziert werden, dass eine deutliche Besserung der Symptome eintritt. [3] Es ist sehr wichtig, dass das erwartete Ergebnis vor dem Eingriff nach ausführlicher Untersuchung genau abgeschätzt und gegen das Risiko des Eingriffs am offenen Herzen abgewogen wird. Für die Mitraclip-Therapie spricht, dass sie ein vergleichsweise sehr sicheres Verfahren ist und dass das Ergebnis noch während des Eingriffs überprüft und gegebenenfalls korrigiert werden kann. [4] Der Aufenthalt im Spital und die Erholungszeit nach dem Eingriff sind in der Regel kurz.


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