Lipoprotein(a), kurz Lp(a), ist ein genetisch bestimmter Blutfettwert, den die meisten Menschen nicht kennen. Dabei zeigt eine neue 30-Jahres-Studie mit 27’748 Frauen: Bereits ab einem Lp(a)-Spiegel von 30 mg/dl steigt das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und kardiovaskulären Tod deutlich an. Besonders brisant: Der Lp(a)-Spiegel kann in den Wechseljahren um 10–20 % ansteigen.
Was ist Lp(a)?
Lipoprotein(a) ist ein Blutfettpartikel, das strukturell dem LDL-Cholesterin ähnelt, aber zusätzlich das Protein Apolipoprotein(a) trägt. Der Lp(a)-Spiegel ist zu über 90 % genetisch festgelegt, Ernährung und Lebensstil haben darauf kaum Einfluss. Erhöhte Werte gelten als unabhängiger Risikofaktor für Atherosklerose und daraus resultierende Erkrankungen wie koronare Herzkrankheit (KHK), Herzinfarkt und Schlaganfall.
Internationale Leitlinien empfehlen, den Lp(a)-Wert mindestens einmal im Leben zu bestimmen, um Personen mit erhöhtem Risiko frühzeitig zu identifizieren (ESC/EAS Guidelines 2019).
Die Studie: 27’748 Frauen über 30 Jahre
Die im Januar 2026 in JAMA Cardiology publizierte Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen Lp(a)-Spiegeln und dem Langzeitrisiko für kardiovaskuläre Erkrankungen bei gesunden Frauen, basierend auf der Women’s Health Study, einer der grössten prospektiven Kohortenstudien für Frauengesundheit weltweit.
| Detail | Angabe |
|---|---|
| Teilnehmerinnen | 27’748 gesunde Frauen |
| Medianes Alter | 53 Jahre (49–60) |
| Nachbeobachtung | 27,8 Jahre (Median) |
| Kardiovaskuläre Ereignisse | 3’707 insgesamt, davon 3’165 schwerwiegend (MACE) |
| Publikation | JAMA Cardiology, Januar 2026 |
Die Ergebnisse im Detail
Die Ergebnisse sind eindeutig:
- Ab einem Lp(a)-Spiegel von 30 mg/dl steigt das 30-Jahres-Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) und koronare Herzkrankheit signifikant an
- Bei stark erhöhten Werten über 120 mg/dl verdoppelt sich das Risiko nahezu:
- MACE: Hazard Ratio 1,54 (vs. <10 mg/dl)
- Koronare Herzkrankheit: Hazard Ratio 1,80
- Kardiovaskulärer Tod: Hazard Ratio 1,63
- Auch das Risiko für ischämischen Schlaganfall war bei stark erhöhten Werten signifikant erhöht
Warum Frauen besonders betroffen sind
Frauen entwickeln kardiovaskuläre Erkrankungen typischerweise postmenopausal und damit später als Männer. Dadurch wird ihr Risiko lange unterschätzt. Die vorliegenden Daten zeigen jedoch: Ein erhöhter Lp(a)-Spiegel wirkt sich bereits im mittleren Lebensalter prognostisch aus und führt über Jahrzehnte zu einer relevanten absoluten Risikoakkumulation.
Ein weiterer frauenspezifischer Aspekt: Während Lp(a) genetisch determiniert ist, kann der Spiegel im Übergang zur Menopause um etwa 10–20 % ansteigen. Dieser dauerhafte Anstieg fällt zeitlich mit einer Zunahme weiterer Risikofaktoren wie LDL-Cholesterin, Blutdruck und viszeraler Fettmasse zusammen, und prägt das kardiovaskuläre Risiko in der zweiten Lebenshälfte entscheidend.
„Gerade am Go Red For Women Day erinnern diese Daten daran, dass kardiovaskuläre Prävention bei Frauen früh beginnen muss, auch wenn kardiovaskuläre Ereignisse häufig erst später auftreten», kommentiert Prof. Andrea Bässler, Oberärztin am Universitären Herzzentrum des Universitätsklinikums Regensburg.
Was bedeutet das für Patientinnen?
„Jede Frau sollte ihren Lp(a)-Wert kennen», sagt Prof. Dr. med. Steffen Glökler, Leiter des DTH Herzzentrums Zürich. „Die Messung ist einfach, kostengünstig und muss in der Regel nur einmal im Leben durchgeführt werden. Bei erhöhten Werten können wir gezielt die klassischen Risikofaktoren, Blutdruck, LDL-Cholesterin, Lebensstil, noch konsequenter behandeln.»
Aktuell gibt es noch keine zugelassenen Medikamente, die Lp(a) gezielt senken. Die Ergebnisse zweier grosser Studien, Lp(a)HORIZON und OCEAN(a), werden in Kürze erwartet und könnten erstmals spezifische Therapieoptionen eröffnen.
Am DTH Herzzentrum bieten wir im Rahmen unserer Frauenherz-Gesundheit und des Herz-Screenings eine umfassende Risikobeurteilung inklusive Lp(a)-Bestimmung an.
FAQ, Lp(a) und Herzrisiko bei Frauen
Werte unter 30 mg/dl (oder unter 75 nmol/l) gelten als normal. Ab 30 mg/dl steigt das kardiovaskuläre Risiko. Werte über 50 mg/dl gelten als deutlich erhöht, über 120 mg/dl als stark erhöht.
Nein. Der Lp(a)-Spiegel ist zu über 90 % genetisch bestimmt. Ernährung, Bewegung und herkömmliche Cholesterin-Medikamente (Statine) haben darauf kaum Einfluss. Umso wichtiger ist es, bei erhöhten Lp(a)-Werten die anderen Risikofaktoren konsequent zu kontrollieren.
Ja. Im Übergang zur Menopause kann der Lp(a)-Spiegel um etwa 10–20 % ansteigen, bedingt durch die hormonelle Umstellung. Dieser Anstieg fällt häufig mit einer Zunahme anderer Risikofaktoren zusammen und kann erstmals klinisch relevante Schwellenwerte erreichen.
Am DTH Herzzentrum Zürich bieten wir die Lp(a)-Bestimmung im Rahmen unseres Herz-Screenings und der Frauenherz-Gesundheit an. Die Messung erfolgt über eine einfache Blutentnahme. Termin unter +41 44 461 00 67.
Quellen
- Nordestgaard AT et al. Thirty-Year Risk of Cardiovascular Disease Among Healthy Women According to Clinical Thresholds of Lipoprotein(a). JAMA Cardiol. 2026.
- Bässler A. Expertenkommentar: Lp(a)-Spiegel und kardiovaskuläres Risiko bei Frauen. Herzmedizin.de, 04.02.2026.
- ESC/EAS Guidelines for the Management of Dyslipidaemias. European Heart Journal. 2019.